Czarnik – Przystaw: wie gewonnen, so zerronnen

In der 7. Runde der Bezirksliga gewann der Außenseiter SV Constantin Herne gegen den Favoriten Königsspringer Haltern überraschend mit 5 : 3. Ausgerechnet die spielstarken vorderen Halterner Bretter strauchelten teilweise recht heftig. Kennzeichnend für deren Schwäche ist die Partie am 4. Brett von Josef Czarnik gegen Andreas Przystaw.
Czarnik,Josef (1983) – Przystaw, Andreas (1573)
BL Haltern – Constantin (7) 2013-01-13, B06 Modern defence
1. d4 g6 2. e4 Lg7 3. Sc3 d6 4. Le3 Sc6 5. f3 Sf6 6. Dd2 e5 7. d5 Se7 8. O‑O‑O a6 9. g4 Sd7 10. Lh6?! Czarnik - Przystaw 10w
Czarnik - Przystaw 10w nvJosef spielt geradlinig auf Königsangriff. Besser war aber
10. Le2 O‑O 11. h4 Sf6 12. Sh3 z.B. b5 13. Sf2 Ld7 14. h5 b5 mit einer guten Stellung für Weiß. Der weiße Angriff hat schon deutliche Konturen angenommen, während Schwarz noch keinen Ansatz hat.

10. … O‑O?!
Czarnik - Przystaw 10s nvDa Schwarz noch nicht rochiert hat, konnte Andreas hier sich besser mit 10. … Lxh6 11. Dxh6 Sg8 12. Dd2 Dh4 entlasten. Der Vorstoß h4 ist verhindert und Schwarz hat die Möglichkeit, ebenfalls lang zu rochieren. Hier fehlt Weiß ein Angriffsziel.

11. Lxg7 Kxg7 12. h4 h6 13. Sh3 f6 14. Ld3 Sc5 15. Tdg1 Ld7 16. f4Czarnik - Przystaw 16w
16 … Sg8?!
Czarnik - Przystaw 16s NVDanach steht Weiß klar besser, da Schwarz kein Gegenspiel erhält. Besser war 16 … c6 17. Le2 cxd5 18. exd5 Db6 Schwarz kann abhängig von der weißen Fortsetzung einen Turm auf die c-Linie bringen. Nach 19. h5 folgt Db4.
17. f5! g5 18. Sf2 b5 19. Tg2 mit der Idee, auf der h-Linie zu verdoppeln. Hier war der Sicherungszug 19. Kb1 eine Alternative z.B. Tb8 20. Se2 gxh4 21. Txh4
Czarnik - Przystaw 19w
19 … De7?! Andreas will die Türme zum Damenflügel überführen und mit Le8 einen auf h5 auftauchenden Springer abtauschen. Hier war 19. … gxh4 20. Tgh2 Kf7 21. Txh4 Ke7 22. Le2 Tf7 vorzuziehen.
20. Se2 a5 21. Sg3 Tfb8 22. Tgh2
Czarnik - Przystaw 22w
Weiß hat eine überwältigende Angriffstellung aufgebaut. Mit dem nächsten Zug
22. … Le8?
greift Andreas ernsthaft daneben. Besser war die Königsflucht mit
22. … Kf7 23. Le2 b4 24. hxg5 fxg5 25. Kb1 Df6 26. Sd3 Sa4 27. Sh5 De7 28. f6
Czarnik - Przystaw 24w NV23. hxg5 fxg5 24. Sd1
auf dem Weg nach e3. Allerdings war das sofortige 24. f6+ Dxf6 25. Sf5+ Kf8 26. Sd1 Sxd3+ 27. cxd3 (Diagramm) stärker. Schwarz kann sich gegen die Drohungen Sxh6 und Tf2 nicht sinnvoll verteidigen.
27. … Lf7 28. Sxh6 Dg6 29. Se3 bzw. Sxf7 mit Gewinn bzw.
27. … Se7 28. Tf2 Sg6 29. Txh6 mit Gewinn.
24. … b4?! Auch 24. … a4 ändert nicht allzu viel.
25 f6+ Dxf6 26 Se3 b3?!
Die berühmte „letzte“ Patrone. Hätte Weiß in einem früheren Stadium Kb1 gespielt, wäre der Vorstoß völlig wirkungslos. Etwas besser, aber ohne Hoffnung auf einen Fehler des Gegeners, wäre 26. … Kh7 27. Sgf5 Ld7 28. Th5 mit einer deprimierenden Stellung.
27. Sef5+ Kh7
Czarnik - Przystaw 24s
28. cxb3
Nach 28. axb3 verfehlt Txb3 seine Wirkung, denn nach 29. Sxh6 ist Schwarz erledigt.
28. … Txb3
Czarnik - Przystaw 28s
Die letzte Chance, denn auf 29. axb3 folgt Sxb3+ mit Damengewinn. Objektiv ist der Zug völlig wirkungslos, aber er brachte Josef dermaßen aus dem Gleichgewicht, daß er in den nächsten Zügen mehrfach gute Fortsetzungen ausließ und in einer Verluststellung landete.
29. Sxh6?
Hier sichert 29. Lc2! Txg3 30. Sxg3 Df4 31. Sf5 Ld7 32.Sxh6 Kg6 33.Dxf4 gxf4 34.g5 deutlichen Vorteil
Czarnik - Przystaw 30w NV29. … Sxd3+ -/+ 30. Kd1??
Und schon kommt der nächste Fehler. Nach 30. Kb1 Txb2+ muß Weiß zwar die Dame geben 31. Dxb2 Sxb2 32 Sgf5 Sxh6 gewinnt sie aber nach 33 Txh6+ Dxh6 34 Txh6+ wieder zurück 34 … Kg8 35 Kxb2 (Diagramm) hat Schwarz nur ein leicht besseres Endspiel z.B. 35 … Tb8+ 36 Kc3 Tb1 37 Se7+ Kf8 38 Sf5 Tc1+ 39 Kd2 Tc4 40 Th8+

30 … Df3+! 31 Se2?!
Czarnik - Przystaw 31w NVWeiß ist völlig verloren. Auch 31. Te2 Txb2 32 Sxg8+ Dxh1+ 33 Sxh1: La4+ (Diagramm) 34 Dc2 Txc2 35 Txc2 Sb4 36 Kd2 Lxc2 37 Se7 Lxe4 ist chancenlos. Aber wie heißt es so schön: „Die Fehler sind da – sie müssen nur gemacht werden.“ In Anbetracht des Halterner Rückstandes blieb Josef keine Wahl außer weiter zu spielen.
31. … Sf2+??
Und das Wunder von Constantin geschieht. War es mangelnde Konzentration oder der Glaube, daß hier jeder Zug gewinnt?
Czarnik - Przystaw 31s NVNach 31. … Sxb2+ 32. Ke1 Sd3+ (Diagramm) bleibt Weiß nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera
A) 33. Kd1 Tb1+ 34. Kc2 Txh1 oder
B) 33. Dxd3 Txd3 34.Sxg8+ Kg7 35.Th7+ Kf8 36.T7h6 Dxe4 37.Th8 Kg7 38.T1h7+ Dxh7
In beiden Fällen gewinnt Schwarz mühelos.
32. Kc1 Sxh1 33. Sxg8+ Kg7 34. axb3?!
Hier war 34. Se7 etwas besser 34. … Lg6 35 axb3 Df1+ 36 Dd1 Dxd1+ 37 Kxd1 Lxe4 38 Sf5+ Kf6 39 Th6+ Kf7 40 Th7+ Kg8 41 Txc7
34. … Lg6?!
Hier führt 34. … Df1+ 35. Kc2 Lg6 36. Dxg5 Txg8 37. De7+ zur gleichen Stellung wie in der Partie nach dem 36. Zug.
35. Dxg5?!
Nach 35. Sh6 Df1+ 36 Dd1 Dxd1+ 37 Kxd1 Lxe4 38 Sf5+ Kf6 39 Th6+ Kf7 40 Th7+ Kg8 41 Txc7 landet man in der gleichen Stellung wie in der Variante nach dem 34. weißen Zug.
35. … Txg8 36. De7+
Czarnik - Przystaw 36w
36. … Lf7 37. Dg5+ Lg6 38. De7+ Lf7 1/2
Czarnik - Przystaw 38s NVHier bestand die vorletzte Möglichkeit für Schwarz, mit 38 … Df7 ein besseres Endspiel anzustreben. 39. Dh4 Df6 40. Txh1 Dxh4 41. Txh4 Lxe4 42. Sc3 Lf3 43. g5 Kg6 44. Kd2 Kxg5 45 Tc4 Tg7
Aber nach dem Wechselbad der Gefühle waren beide Seiten mit dem Remis einverstanden.

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